Keine weitere Versiegelung von Grünflächen

Peter von Schall-Riaucour, Dr. Christian Haugg und Sabine Haugg

im Gespräch mit dem Münchener Wochenanzeiger

1.) VERKEHR

“Planegg erfreut sich von Jahr zu Jahr eines immer größer werdenden Zuzugs von Fremden, die ihren Wohnsitz hier aufschlagen”. Dieser Satz aus den Gemeindeakten stammt -wirklich- von 1851. Damals löste man das daraus erwachsende Verkehrsproblem mit ÖPNV in Form von zwei Fuhrwagen täglich und dann der Bahnlinie. Wie wollen Sie den Verkehr heute steuern?

Was damals richtig war, ist heute nicht falsch.Um die Mobilität in Zukunft sicherzustellen, setzen wir in erster Linie auf den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs mit U-Bahn, kostenlose Nutzung des Busses im Ortsgebiet und Verbesserung der Infrastruktur (Buswartehäuschen). Für ein ausgewogenes Miteinander aller Verkehrsteilnehmer, wird ein sicheres, innerörtliches Radwegenetz notwendig: Germeringerstr., Lochhamerstr., Bahnhofstrasse.

2.) MÜNCHEN

Planegg ist keine Insel: Die Weichen für die weitere Entwicklung können Gemeinden wie Planegg und die Großstadt nebenan nur gemeinsam stellen – siehe U6 Verlängerung. Solche Dinge umzusetzen dauert indes furchtbar lange. Müssten wir da nicht flexibler sein, um neue Ideen voranzubringen? Und wie schätzen Sie das Miteinander von Stadt und Gemeinde ein?

Nicht alle Probleme der Landeshauptstadt dürfen auf die umliegenden Gemeinden abgewälzt werden. Deshalb darf der Siedlungsdruck nicht dazu führen, dass unser Planegg & Martinsried seinen Ortscharakter verliert. Die Verkehrsproblematik kann nur gelöst werden, wenn es endlich gelingt, alle Würmtalgemeinden an einen Tisch zu bringen. Die längst überfällige U-Bahnverlängerung könnte bereits in Betrieb sein. Dazu hätte es aber mutigerer Entscheidungsträger bedurft. So hinken wir bereits heute der künftigen Entwicklung hinterher. Wir könnten jetzt eigentlich schon über eine Verlängerung bis zur Planegger S-Bahn sprechen.

3.) NACHHALTIGKEIT

Sie sind Mitglied im Bund Naturschutz. Nachhaltigkeit ist gegenwärtig ein großes Thema, das nach globalen Schritten ruft. Was können wir vor Ort konkret beitragen? Und wie kann ein Miteinander von Ökologie und Ökonomie -wir brauchen ja beides- in einer überschaubaren Gemeinde aussehen?

Nach Jahrzehnten des Raubbaus muss jetzt Schluss sein mit weiterer Vernichtung von Waldgebieten. Ebenso darf es keine weitere Versiegelung von Grünflächen geben. Planegg muss sich zu einer klimaneutralen Gemeinde entwickeln. Energiesparförderprogramme für private Haushalte. Wärmeenergiespeicher in bereits vorhandenen Kiesgruben für regenerativ erzeugten Strom. Sinnvolle Nutzung bereits versiegelter Flächen wie z.B. großer Parkplätze für Wohnen und Gewerbe sowie Nutzung von Flachdächern. Energetische Sanierung gemeindlicher Liegenschaften.

4.) PLÄNE

Wenn Sie “König im Würmtal” wären und drei Dinge in der Gemeinde sofort ändern oder umsetzen könnten: Welche wären das?

– kostenloses Busfahren für Planegger & Martinsrieder Bürger mit Personalausweis. Und Verlängerung der U-Bahn bis zur Planegger S-Bahn.

– kostenlose Kinderbetreuung.

– ein Stadtpark zwischen Planegg und Martinsried mit kleinem Amphietheater und jährlichem Kulturfestival.

– Die Bahnhofstr. als Fußgängerzone mit Flaniermeile und gut zugänglicher Tiefgarage.

– ein renaturiertes Würmbad sowie 1.000 neue Bäume für Planegg & Martinsried.

5.) Politische Heimat

Sie sind parteifrei, treten aber auf der Liste der FDP zur Wahl an. Warum gehören Sie keiner Partei an? Warum stehen Sie der FDP näher als anderen?

Ich halte Liberalismus für einen wichtigen Gedanken in unserer Gesellschaft. Er ist der Kompass meines politischen Denkens und Handelns. Ich bin der Auffassung, dass Parteipolitik auf kommunaler Ebene eine untergeordnete Rolle spielen sollte. Meine Freunde in der FDP sehen das genauso. Deshalb können wir zum Nutzen unserer Mitbürger so erfolgreich zusammenarbeiten.

6.) Pragmatismus

Gemeinderat zu sein heißt, die Entwicklung seiner Heimatgemeinde mitzugestalten. In solch einem Gremium mit vier oder fünf verschiedenen politischen Gruppierungen lernt man aber auch, was nicht geht- und dass man gelegentlich Abstriche an der eigenen Vision machen muss, um mit anderen einen konkreten schritt weitergehen zu können. Können Sie ein Beispiel einer solchen gemeinsamen Entscheidung, eines guten Kompromisses nennen?

Kompromisse in den letzten 6 Jahren waren schwierig aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat. Sinnvolle und zielführende Anträge unserer Fraktion wurden aus reiner Parteitaktik abgelehnt oder auf Eis gelegt, um später als eigene Ideen präsentiert zu werden. Z.B.

– Kinderbetreuungsgebühren.

– Weg der Begegnung zwischen Planegg und Martinsried.

– Erstellung eines innerörtlichen Radwegekonzeptes.

Allenfalls der kürzlich einstimmig beschlossene Bürgertreff / Bürgerbüro in Martinsried war ein Kompromiss von substanzieller Tragweite. Er war aber nur der bevorstehenden Kommunalwahl geschuldet.

7.) VEREINE

Vereine sind das Fundament einer Gemeinde und ein Stabilitätsfaktor. Sie sind selbst in einer ganzen Reihe von Vereinen. Zugleich ist das Angebot an Freizeit- und Kulturmöglichkeiten mit dem nahen München unfassbar groß. Welche Rolle spielen Vereine vor Ort noch und wie sichern Sie deren Zukunft?

Gerade heute in der sich Strukturen in Auflösung befinden, erfüllen Vereine eine wichtige Aufgabe. Sie vermitteln Menschen das Gefühl der Zusammengehörigkeit und ermöglichen darüber hinaus gemeinschaftliches Engagement. Meine Mitgliedschaft in unterschiedlichen Vereinen empfinde ich als großen Gewinn. In meiner Funktion als Gemeinderat setze ich mich schon seit langem für eine angemessene finanzielle Ausstattung und eine Würdigung des Ehrenamtes ein. Als Vorstandsmitglied achte ich darauf, insbesondere junge Mitglieder in die Verantwortung einzubinden und so zur Übernahme einer ehrenamtlichen Aufgabe zu begeistern.